Hausbesuche
Zu Besuch bei Kulturwirtschaftsakteuren vor Ort werden die Teilnehmer einen Einblick in deren Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen nehmen. Gemeinsam werden Themen diskutiert, die über das einzelne Fachgebiet hinausgehen. Die „Kümmerei“ begleitet den Abend moderierend und kulinarisch.
HAUSBESUCH - Nr. 1 am 20.1.2010
Thema "Architekt sein in Gießen"
Am 20.1.2010 um 20 Uhr bei Zieske Architekten, Senckenbergstrasse 15 in Gießen.
Presse: www.giessener-anzeiger.de
Notiz zum Hausbesuch Nr. 1
Letzte Woche fand der erste Termin in unserer Reihe Hausbesuche statt. Für alle die nicht da waren, fassen wir in dieser Notiz in aller Kürze die Gesprächsfäden, Anregungen und kursierenden Gedanken zusammen.
Zum Thema „Architekt sein in Gießen“ luden Regina und Nikolaus Zieske alle Interessierten in ihr Büro - das Skalpellchen - ein.
Gießen hat den Ruf, ein architektonisches Desaster oder zumindest ästhetisches Mittelmaß zu sein. Uns interessierte also, welchen Blick man als Architektenpaar, das seit 2002 in Gießen lebt, arbeitet und an der FH Architektur lehrt, auf die Stadt hat, wie man sich vernetzt und welche Wünsche sich beim Betrachten des „Ist“ ergeben.
„Bauen im Bestand“ ist der Schwerpunkt, den sich das Architektenpaar gesetzt hat - und da fanden sich in der Gesprächsrunde viele Anknüpfungspunkte. Der Umgang mit dem baulichen Bestand als Ausdruck von Identität und Lebensqualität wurde bemängelt. Identitätsstiftendes fehlt, wird abgerissen oder aus dem Fokus gerückt - das Spiel von urbaner Verdichtung und Freiräumen erscheint zufällig. Die vielen Möglichkeiten wie zum Beispiel die natürlichen Ressourcen Lahn und Wieseck als auch den denkmalwürdigen Bestand z.B. der aufgelassen Industriebauten in nachhaltiger Weise zu nutzen werden selten wahrgenommen.
Dass ökonomische Sachzwänge freies Denken und Planen nicht zulassen, passiert in Gießen genauso wie in jeder anderen Stadt. Dennoch gibt es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität. Wohlüberlegte Planungen ordnen sich wirtschaftlichen Zwängen unter. Dies führt zu einem ästhetisch willkürlich gestalteten Stadtraum.
Um den gemeinsamen Wunsch die Stadt im Alltag lebenswerter erscheinen zu lassen, in die Realität umzusetzen, wurden aus dem Gesprächskreis Beispiele aus anderen Städten angeführt, z.B. die Idee eines Stadtbaumeisters, der das bauliche Ganze und die Bedürfnisse, nicht nur die der Investoren und der Wirtschaft, sondern auch die der Bürger im Blick behält und visionäre gesamtplanerische Konzepte umsetzt. Oder ein Gestaltungsbeirat, der als Gremium Kompetenzen aus der Bürgerschaft mit in die Stadtentwicklung überführt.
Nach zwei Stunden anregenden Gesprächen bei regionalen Leckereien, freuen wir uns auf den nächsten Hausbesuch und bedanken uns bei Gastgebern und Gästen für ihr Engagement.
Ein Exkurs zu Reichtum und Architektur zum Download
Hausbesuch Nr. 2 bei der Modern Music School
Thema: "Evolution von der Instrumental- zur Musikschule"
Wann: Mi, 24. Februar 2010, 19:00 – 22:00 Uhr
Wo: Musikhaus Schönau, Schiffenberger Weg 111, 35394 Gießen
Der Leiter der Modern Music School Sebastian Schlöndorf und sein Lehrerteam informieren an diesem Abend im Klaviersaal des Musikhaus Schönau über den Status und die Perspektiven der Gießener Musikszene in Deutschlands Kulturlandschaft, die Entwicklung eines zeitgemäßen Musikunterrichts, u.a. in der Kooperation mit allgemein bildenden Schulen und Akteuren der Musikwirtschaft.
Am Ende des Abends haben Teilnehmer bei Interesse außerdem die Gelegenheit, selbst die Erfahrung einer Musikstunde an der Modern Music School zu machen.
Notiz zum Hausbesuch Nr. 2
Zum zweiten Hausbesuch begleiteten uns ca. 20 Interessierte zur Modern Music School ins Musikhaus Schönau. Als Thema wurde „Evolution von der Instrumental- zur Musikschule“ erörtert, aber natürlich ging die Diskussion noch darüber hinaus.
Die Ausgangslage für aktiv Musikinteressierte in Gießen ist gut. Mehrere Musikschulen bieten in der Stadt und im Umland Unterricht jedweder Couleur an, sei es in den Bereichen der Klassik, des Pop oder des Jazz. Die Modern Music School widmet sich mit ihrer Arbeit neben einer fundierten musikalischen Bildung auch den sozialen Kompetenzen, die sich beim Musikmachen ergeben. Bandarbeit, Gruppenunterricht geben die Schülerinnen und Schülern nicht nur das Handwerkszeug zum Benutzen ihrer Instrumente, sondern fördern ihre eigene Kreativität.
Im Vergleich zu anderen Städten wie zum Beispiel Koblenz ist die Dichte von Musikschulen hoch. Ob die ökonomische Struktur der Musikschulen insgesamt betrachtet als gesund bezeichnet werden kann, läßt sich nicht abschließen sagen, aber es gibt kein „Musikschulsterben“ - sie sind somit ein wichtiger Teil der lokalen Kulturwirtschaft und der außerschulischen Bildung.
Darüber hinaus gibt es eine basal gut aufgestellte Infrastruktur für die weiteren Bedarfe der Musiker. Im KIG im Europaviertel (Privatwirtschaftlich organisiert - ein Hausbesuch dort wird folgen) werden bezahlbare Proberäume angeboten - leider nicht genug für die florierende Szene. Ebenso wenig sind damit die Belange der 12-18 jährigen Nachwuchs-musikerinnen und -musiker, denen es nicht nur an den finanziellen und organisatorischen Fähigkeiten fehlt, ihrer Leidenschaft nachzugehen, abgedeckt. Kostengünstige Probe-, Übungs- und Auftrittsmöglichkeiten für diese Zielgruppe fehlen leider gänzlich.
Die Situation stellt sich also wie folgt dar: stetige Nachfrage nach Unterricht, hoher Qualifikationsstatus der Musiker, hoher Bedarf an Proberäumen, hoher Bedarf an Aufführungsmöglichkeiten, hoher Bedarf an Austausch mit anderen, gute Möglichkeiten der Existenzgründung stehen vielen, aber dennoch zu wenigen Proberäumen, zu wenigen Aufführungsmöglichkeiten gegenüber: es liegt also an der Infrastruktur.
Und da gerät man ins planen, wie man die Bedarfe mit den Gegebenheiten übereinkommen lassen könnte.
Die Schaffung eines Zentrums, das, wie Sebastian Schlöndorf seine Idee skizzierte, privatwirtschaftlich organisiert und ohne Subventionen die verschiedenen Bedürfnisse bedient, (Proberäume, Unterrichtsräume, Aufführungsort, Studioräume, Kommunikation) wäre ein für Gießen lohnendes Projekt, das dem Wort „Kulturstadt an der Lahn“ alle Ehre machen würde. Unterstützung von städtischer Seite ist allerdings auf dem Weg zu diesem Ziel nötig. Eine politische Willensbekundung und Unterstützung der Modern Music School bei Gesprächen mit Immobilienträgern, rechtlichen und städteplanerischen Festlegungen kann da eine wichtige Hilfe sein.
Gießen als Musikstadt ist in der Außenwahrnehmung lange angekommen. An den konkreten Folgen muss noch gearbeitet werden.
Presse:
www.ausgehzwang.de
Hausbesuch Nr. 3 am 26.3.2010 bei Thomas Vinson (bildender Künstler)
Thema: "Leben und Arbeiten in Gießen" - Gießen als Produktionsort für Bildende Kunst
Der bildende Künstler Thomas Vinson zeigt sein Atelier und spricht zu der Situation der bildenden Kunst in Gießen aus seiner Sicht. Dabei wird Gießen als Produktionsstandort für bildende Kunst in den Focus genommen. Gemeinsam mit der kümmerei und den Gästen werden wir versuchen Qualitäten und Optionen sowie notwendige Ziele für die bildende Kunst in Gießen zu definieren.
Ort: Atelier Walltorstraße 57, 35390 Gießen
Uhrzeit 19 Uhr
Notiz zum Hausbesuch Nr. 3
Zum dritten Hausbesuch fanden sich ca. 25 Besucher im Atelier des bildenden Künstlers Thomas Vinson in der Walltorstraße 57 zum Thema „Gießen als Produktionsort für
bildende Kunst“ ein.
Thomas Vinson, gebürtig in Paris, ist Maler und Bildhauer, der mit zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum sowie „Kunst am Bau“ vertreten ist. In Gießen begegnet man seinen Arbeiten beispielsweise vor dem Mathematikum (Skulptur) und in der neuen Cafeteria der Herderschule (raumbezogenen Fenster- und Bodenarbeit).
Nachdem der Künstler in einem Kurzvortrag in seine Arbeit einführte, wurde das Thema des Abends gemeinsam mit den Gästen erörtert. Die Arbeitsweise Vinsons war dabei Ausgangspunkt für das Gespräch.
Thomas Vinson schätzt als international tätiger Künstler den Standort Gießen zum einen wegen der günstigen Mietsituation (z.B. im Verhältnis zu Frankfurt), aber vor allem wegen der guten Verkehrsanbindung und der zentralen Lage in Deutschland und Europa. Bei seinen häufigen ausstellungsbedingten Reisen ist diese günstige Lage seines Produktionsortes ein großer Vorteil.
Im Vergleich zu anderen Städten ist die Dichte von professionell agierenden bildenden Künstlern in Gießen eher gering. Das liegt vor allem daran, dass es in Gießen keine Kunsthochschule gibt. Thomas Vinson sieht Gießen daher als persönlichen Rückzugsort und schätzt die hiesige Ruhe jenseits der aufgeregten Kunstzentren. Ist er kunstbedingt unterwegs, sieht er sich jedoch stets auch als Botschafter der Stadt.
Die Gäste des Abends kritisierten dagegen den oft fehlenden Diskurs über bildende Kunst innerhalb der Gießener Stadtgesellschaft. Die aus diesem Mangel resultierenden Ergebnisse zeigten sich in der Ausstellungslandschaft und bei der umgesetzten Kunst im öffentlichen Raum.
Dies wurde auch von Thomas Vinson unterstrichen und das Gespräch verlagerte sich hin zu architektonischen Fragen – die auch in der Arbeit des Künstlers, der orts- und raumbezogen denkt – eine zentrale Rolle spielen. Städtebauliche Forderungen an die Gießener Politik und Stadtverwaltung schlossen sich hier schnell an. Die fehlende Urbanität werde durch städtebaulich und architektonisch defizitäre Neubauten wie Neustädter Tor, Liebig Center und Rathaus sowie Vernachlässigung bestehender und hochwertiger Bauten wie Kongresshalle und alte Universitätsbibliothek nicht verbessert, so Vinson.
Wie schon während des Hausbesuchs bei Prof. Nikolaus Zieske wurde von den Gästen die Vision eines „Gestaltungsbeirats“ beschrieben, bei dem Kompetenzen der Gießener Bürger/innen und natürlich die der Hochschulen in Planungs- und Entscheidungsprozesse einfließen sollten. Damit könne auch das „ästhetische Bewusstsein“ in der Stadt gestärkt und die Politik kompetent beraten werden. Der Mangel an kulturpolitischen Ansprechpartnern bei den Parteien wurde in diesem Zusammenhang auch zum Thema, zumal bei diesem Hausbesuch (obwohl eingeladen) kein/e aktive/r Politker/in anwesend war. (Die Kulturdezernentin war entschuldigt.)
Diese strukturellen Überlegungen zur Verbesserung des Stellenwertes der bildenden Kunst in Gießen beinhalteten auch die Forderung nach einem Atelierhaus – z.B. im Rahmen eines Kulturgewerbehofs. Damit würden – neben dem Fortschritt im Ausstellungsbetrieb durch den Neubau der Kunsthalle Gießen 2009 und der Schaffung einer Kuratorenstelle – auch auf der Produktionsseite erhebliche Verbesserungen erzielt werden.
Als Fazit lässt sich sagen, dass Gießen als Produktionsort für bildende Kunst einige Stärken hat, die Schwächen aber vor allem in der schlechten Verankerung in Stadtgesellschafft und Stadtpolitik liegen. Hier sind die Herausforderungen für die kulturpolitische Arbeit der nächsten Jahre festzumachen.
Hausbesuch Nr. 4 am 19.5.2010 um 19 Uhr beim Diskursteam der Angewandten Theaterwissenschaften Gießen
Thema: "Diskursfestival: Wie geht das - Räume, Ressourcen, Finanzen?"
Das Diskursfestival, als überregionales Aushängeschild der Stadt, ist diesmal Gegenstand unseres Hausbesuchs
Das Diskursteam der Angewandten Theaterwissenschaften stellt die verschiedenen Komponenten des jährlichen Diskursfestivals vor.
Wie geht das - Räume, Ressourcen, Finanzen? Gerade in der derzeit schwierigen Haushaltslage stellen sich viele Fragen neu und müssen beantwortet werden.
Mehr zum Diskursfestival:
www.diskursfestival.de oder www.uni-giessen.de/theater/de/diskurs
Ort: Diskursbüro bei Dieter, Ludwigstraße 27, Giessen im 3. Stock - Uhrzeit 19 Uhr
Notiz zum Hausbesuch Nr. 4
Seit 26 Jahren veranstalten die Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft jährlich den Diskurs - ein Festival für zeitgenössische Theaterformen und Performance.
Im letzten Jahr war der Diskurs mit einer Produktion in den Räumen der kümmerei, dieses Jahr wurde es Zeit den Ort zu besuchen, an dem das Festival von jährlich wechselnden Team geplant und organisiert wird: eine alte Wohnung in der Ludwigstrasse, liebevoll Dieter genannt.
Dieter wurde auch gleich zum Thema: Ende des Jahres müssen die Studierenden die Räumlichkeiten verlassen. Und da tut sich die Frage auf: wie sehr beeinflußt der Raum die Kreativität? Welche Räume braucht Kunst und Kunstplanung? Was bedeutet Freiraum in diesem Zusammenhang?
Wie sehr der Raum die Planung beeinflußt, sieht man am Thema dieses Jahres: Nachdem die Mittel drastisch gekürzt wurden, wird der diesjährige Diskurs zum Exkurs, einer mehr theoretischen Kunstplattform mit dem Thema „Temporäre Theaterbauten“. Die eigene Situation des Teams, das kreative Zentrum zu verlieren und in eine unabwägbare Situation zu geraten wurde auf eine Metaebene gehoben. Wie sieht das Theater der Zunkunft aus und welche Möglichkeiten und Bedarfe hat es.
Das die Organisation eines Festival eines geeigneten Raumes bedarf steht da außer Frage. Jedes gute Festival geht über die bloße Organisation hinaus: man gibt nicht nur Zeit und Organisationstalent, sondern man betreibt die Dinge liebevoll und verbindlich. Dieter, eine Wohnung liebevoll mit einem Namen und Charakter versehen ist dabei quasi Heimat. Da die sogenannte „Freie Kulturszene“ zu der sogenannten „Robusten Nutzergruppe“ gehört, sich also gut mit Gegebenheiten zurechtfinden kann, die es einem „normalem“ Büro unmöglich machen würden zu arbeiten, ergeben sich durch die Nutzung aufgelassener, etwas abgelebter, vergilbter Räume, Nischen jenseits von verschiedenen Konventionen, und diese Nischen beflügeln die Kreativität.
Nichts wäre schlimmer, als ein nach neuesten Standards eingerichtetes Büro.
Die Arbeit, die der Diskurs macht ist einem Sinne hocheffizient: mit wenigen Mitteln wird ein qualitativ hochwertiges Festival organisiert. Das Wort Effizienz stieß dennoch auf Wiederworte, denn der Evaluierungswahn, der auch die Kultur heimsucht und nur nach Zuschauerzahlen, Auslastung und Sponsorenerfolg die Qualität von Kunst zu bemessen versucht, beschränkt und verflacht das eigentlich spannende an Kunst: das Experiment und das Wagnis.
Das erstaunliche ist, dass der Diskurs in der internationalen Festivalszene eine feste Größe ist, innerhalb Gießens aber trotz der guten Zusammenarbeit und Unterstützung durch das Kulturamt noch mehr wahrgenommen werden könnte. Und so wünscht sich das Exkurs Team dieses Jahr mehr Resonanz in der städtischen Bevölkerung und geht mit dem „temporären Theaterbau“ weg vom Unigelände im Philosophikum II in den innerstädtischen Raum.
Hausbesuch Nr. 5 am 28. Juli 2010 um 19 Uhr im Jugendzentrum jokus Gießen
Thema: Das "Jokus" - Jugendkultur in Gießen. Wie - Wer - Was?
Ort: Jugendzentrum Jokus, Ostanlage 25a, 35390 Gießen
Hausbesuche - zu Besuch bei Kulturwirtschaftsakteuren vor Ort werden die Teilnehmer einen Einblick in deren Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen nehmen. Gemeinsam werden Themen diskutiert, die über das einzelne Fachgebiet hinausgehen. Die „Kümmerei“ begleitet den Abend moderierend und kulinarisch.
Notiz zum Hausbesuch Nr. 5
Diesmal haben wir den ausführlichen und sorgfältigen Presseartikeln nichts hinzuzufügen.
Presse zum Hausbesuch:
Zum jokus www.jokus-giessen.de
6. Hausbesuch am 24.8. von 18.30 - 21 Uhr. "Kulturbrachen in Gießen"
Thema: "Kulturbrachen in Gießen - eine Fahrradtour zu Orten an denen Kultur war/sein könnte/gewollt wird oder nicht möglich ist"
Start um 18.30 vor der Volkshalle (Millerhall), Grünberger Straße - Ende ca. 21 Uhr am Brandplatz
Die Tour führt auf einem gemütlichen Weg zu einigen Flächen und Gebäuden die zu Kulturorten werden könnten - begleitet werden wir dabei vom Stadtarchivar Dr. Brake und einem Experten aus dem Stadtplanungsamt - für Wegzehrung wird gesorgt.
Gießener Anzeiger:
Hausbesuch Nr. 7 am 5.10. 2010 um 19 Uhr im Ulenspiegel
Thema: "Der Ulenspiegel - innerstädtischer Veranstaltungsort - Kultur/Konzerte/Party.
Wie wirtschaftlich ist Kultur?"
Termin: 5.10.2010 um 19 Uhr
Ort: Ulenspiegel, Selterweg 55, 35390 Gießen
Hausbesuche - zu Besuch bei Kulturwirtschaftsakteuren vor Ort werden die Teilnehmer einen Einblick in deren Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen nehmen. Gemeinsam werden Themen diskutiert, die über das einzelne Fachgebiet hinausgehen. Die kümmerei begleitet den Abend moderierend.
zum Ulenspiegel www.ulenspiegel-giessen.de
Die Presse berichtet:
Hausbesuch Nr. 8 am 6.12.2010 um 19 Uhr bei der "Presse"
Thema: Kulturjournalismus in der sogenannten Provinz
Termin: 6.12.2010 um 19 Uhr
Ort: Da Vinci, Neuenweg 7, Gießen
Was wäre Kultur, wenn nicht über sie berichtet würde? Wie kritisch kann Journalismus sein, wenn das kulturelle Angebot zwar interessant und vielseitig ist, aber nicht die Dichte einer Großstadt aufweist? Wie wirkt sich die Verlagskrise auf die Arbeitsbedingungen von Journalisten aus? Diese und weitere Fragen wollen wir am Nikolaustag mit Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Presselandschaft erörten. Dazu treffen wir uns auf "neutralem" Boden, im Bistro Da Vinci.
Notiz zum Hausbesuch:
Es war ein redereicher Abend. Ca. 25 Interessierte und 4 Pressevertreter hatten sich zum Austausch über die lokale Kulturberichterstattung zusammengefunden. Es wurde kontrovers und respektvoll diskutiert.
Zunächst ging die Frage an die Pressevertreter, wie es es um die Arbeitsbedingungen in der Kulturpresse bestellt ist. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Lage dort wenig erquicklich. Durch den Stellenabbau in den letzten Jahren gibt es wenige feste Stellen. Für freie Redakteurinnen und Redakteure sind die Honorare klein, so dass es eine hohe Fluktuation bei den oftmals studentischen Mitarbeitern gibt. Darüber hinaus hat in den letzten Jahren die Zahl der Veranstaltungen stark zugenommen, so dass sich Termine im kulturellen Bereich oft überschneiden. Da für Kultur meist nur eine Zeitungsseite zur Verfügung steht, fehlt oft Platz für eine vollständige Berichterstattung. Somit herrscht ein Mangel in allen Bereichen: zu wenig Platz, zu wenig Stellen, zu wenig Geld.
Drüber hinaus gibt es inhaltliche Probleme: es ist ein schwierige Gratwanderung, Kritik gut zu platzieren. Von einigen Veranstaltern ist die Erwartungshaltung nach einer positiven Besprechung groß. Zudem möchte man das, was in der sogenannten Provinz stattfindet auch nicht schlechtschreiben - schließlich ist man froh, dass etwas passiert.
Es wurde die Frage an die anwesenden Pressevertreter gestellt, welcher Kulturbegriff denn ihrer Arbeit zugrunde liegt und nach welchen Kriterien sie entscheiden, über was berichtet wird und was nicht. Es wurde Anstoß daran genommen, dass Events die eigentlich nichts mit Kultur zu tun haben, wie z.B. die „Dinos“ Einzug ins Feuilleton finden. Darüber hinaus scheint der Kulturbegriff sich auf die klassischen Bereiche Theater, Musik, bildende Kunst zu beschränken. Die Bereiche Clubkultur, elektronische Musik, Architektur fänden wenig Beachtung.
Als Richtlinie dient der örtlichen Tagespresse sich weitgehend auf Veranstaltungen in klaren kulturellen Rahmen zu konzentrieren, also Veranstaltungen zu besprechen, die eine Relevanz durch ihre Verortung und Anbindung an kulturelle Stätten erlangen. Zum Beispiel Ausstellungen in Geschäften und Praxen werden in der Regel nicht besprochen. Dennoch ist es schwierig, eine klare Trennlinie zu ziehen, sowie durch den schon angesprochenen Mangel an Ressourcen auch nur eine nahezu vollständige Berichterstattung im kulturellen Bereich zu erlangen.
Desweiteren wurde aus der Leserschaft einhellig bemängelt, dass oft in der Berichterstattung nicht unterschieden wird zwischen professionellen und Hobbykünstlern. Für den fachfremden Leser gibt es oftmals keine Möglichkeit, dies in einen Kontext zu setzen. Der Presseauftrag, Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Berichterstattung zu bilden würde somit vernachlässigt.
Darüberhinaus wurde aus den Reihen der Akteure bemängelt, dass Artikel zwar wohlwollend aber oftmals nicht fundiert sind. Reine Inhaltsbeschreibungen von Theaterstücken, eher subjekitv geprägte als versierte Artikel, sind für Kulturakteure wertlos. (Zitat: „Zu unseren Konzerten kommen oft Journalisten, die im wahrste Sinne von Tuten und Blasen keine Ahnung haben“). So wurde betont, dass trotz Ressourcenknappheit der Kulturbereich in seiner Divergenz und Vielschichtigkeit eine fundierte Berichterstattung braucht - gerade in der Provinz.
Man kann aber an die Lokalzeitungen, mit ihren beschränkten Ressourcen, nicht dieselben Maßstäbe legen, wie an die überregionalen Zeitungen mit ihren großen Feuilletonredaktionen, wie die FAZ oder die Süddeutsche, schallte es aus den Reihen der Journalisten zurück.
Die letzte Frage aus den Reihen der Akteure war, praktischer Natur, nämlich wie man es schaffe, für seine Veranstaltung eine Vorankündigung zu bekommen. Daraufhin wurde seitens der Presse bemängelt, dass oft unvollständige Pressmitteilungen ohne genauen Titel, mit fehlenden Angaben und in schlecht praktikablen und kompatiblen Dateiformaten geschickt werden. Darauf hin hat die kümmerei angeboten, zusammen mit Pressevertretern einen Workshop „Gute Pressearbeit für beide Seiten“ anzubieten.
Als Fazit wäre zu sagen: je mehr Abonnenten und Anzeigenkunden, desto mehr Ressourcen hat eine Zeitung für fundierte Berichterstattung - auch im kulturellen Bereich.
Auf die obligatorische „Feenfrage“ kamen dementsprechend viele Wünsche zur Sprache:
• mehr Mitarbeiter, mehr Platz, mehr Zeilengeld, mehr Zeit für die Berichterstattung
• kontinuierliche Ansprechpartner bei Presse und auch Kulturveranstaltern
• Abschaffung des mangelnden Selbstbewusstseins vor allem in den Bereichen Subkultur/junge Kultur
• keine Unterscheidung mehr in E- und U-Kultur
• Weniger Berichterstattung über rein kommerzielle Veranstaltungen
• neues Geschäftsmodell für Verleger und Verlage um Qualitätsjournalismus zu sichern
• Einsicht bei Unternehmern, dass Printwerbung wirksam ist
• Forum für kulturelle Fragen
• Integration von kulturellen interessanten Themen für Studierende
• Höherer Anteil von lokaler Berichterstattung - denkbar wäre z.B. Politik von überregionalem Partner wie FR, FAZ oder SZ, lokale Themen von regionaler Presse
• Verlässlicher Veranstaltungskalender
• Verbesserte Onlineausgaben
• alle Wünsche erfüllt beim nächsten Treffen
Hausbesuch Nr. 9 am 28.2.2011 um 20 Uhr bei der Kleinen Bühne Gießen
Thema: Freie Theaterbühnen
Termin: 28.2.2011 um 20 Uhr
Ort: Bleichstraße 28, 35390 Gießen
Freie Theaterbühnen in Gießen. Seit 10 Jahren hat Gießen ein wunderbares Kindertheater. Warum eigentlich? Dies Frage soll anschaulich und hoffentlich nicht erschöpfend geklärt werden.
Hausbesuche - zu Besuch bei Kulturwirtschaftsakteuren vor Ort werden die Teilnehmer einen Einblick in deren Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen nehmen. Gemeinsam werden Themen diskutiert, die über das einzelne Fachgebiet hinausgehen. Die kümmerei begleitet den Abend moderierend.
Die Presse berichtet:
Hausbesuch Nr. 10 am 9.5.2011 um 19 Uhr bei trafo e.V.
Thema: Atelierhaus trafo e.V. - www.trafo.me
Termin: 9.5.2011 um 19 Uhr
Ort: Ederstraße 13, 35390 Gießen
Ein Atelierhaus in Gießen. Seit Anfang 2009 existiert in der Gießener Nordstadt ein feines, kleines Atelierhaus. Das einzige in der Stadt. In dem ehemaligen Nebengebäude einer Kirche arbeiten bildende Künstler(innen). Regelmäßig finden Ausstellungen statt. Gäste veranstalten z.B. Filmfestivals - (www.giguk.de). Wie kam es zur Gründung dieser Ateliergemeinschaft und wie geht es weiter mit dem Künstler(innen)kollektiv? Diesen Frage soll anschaulich nachgegangen werden.
Presse:
Bild - Heiner Schultz
Hausbesuch Nr. 11 am 2.11.2011 um 19 Uhr im MuK
Thema: Was ist Soziokultur? - Der MuK in Gießen
Termin: 2.11.2011 um 19 Uhr
Ort: MuK, An der Automeile 1, Gießen
Seit 1994 ist der MuK (Musik und Kunstverein) eine Institution in Gießen. Als einziges soziokulturelles Zentrum hat es im Laufe der Jahre viele verschiedene Veranstaltungen gemacht und war Veränderungen unterworfen. Beim Hausbesuch werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und diskutieren über den Begriff der Soziokultur.
Hausbesuche - zu Besuch bei Kulturwirtschaftsakteuren vor Ort werden die Teilnehmer einen Einblick in deren Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen nehmen. Gemeinsam werden Themen diskutiert, die über das einzelne Fachgebiet hinausgehen. Die kümmerei begleitet den Abend moderierend.
Presse:
Hausbesuch Nr. 12 am 7. Dezember 2011 um 19 Uhr im "Kulturamt/Kulturdezernat"
Als letzte Kulturinstitution in Gießen besuchen wir den Ort an dem viele Fäden zusammenlaufen: das Kulturamt und Kulturdezernat.
An diesem Abend geben die Kulturdezernentin Dietlind Grabe-Bolz, der Kulturamtsleiter Dr. Friedhelm Häring und weitere Mitarbeiter(innen) Einblick in ihre tägliche Arbeit und stehen für viele Fragen zu Verfügung:
Wie ist die Kulturverwaltung organisiert? Was und wer gehört alles dazu? Wie gestaltet das Kulturamt Kultur? Ist die Bezeichnung Amt noch zeitgemäß? Wie kann man in Zeiten knapper Kassen noch gestalten? Was sind die Kernaufgaben der Kulturverwaltung?
Welche Visionen für die Kultur in Gießen gibt es?
Die Reihe der „Haubesuche“ in Gießen findet damit ihren Abschluss.
Termin: 7. Dezember 2011 von 19 bis 21 Uhr
Ort: Stadtbibliothek Gießen, Berliner Platz 1, 35390 Gießen
Die Presse zum Hausbesuch: